Abschlussbericht Sommercamp 2015

Abschlussbericht zum 4. Sommercamp FinkenHoven vom 6. - 10. Juli 2015 im Park an der Stresemannstraße

1.  Ausgangssituation
 

In Finkenberg leben zurzeit 6.614, in Gremberghoven 2.986 Einwohner. Im gesamten Sozialraum Porz-Ost, Finkenberg, Gremberghoven und Eil wohnen insgesamt 23.405 Menschen. Davon gerade in Finkenberg und Gremberghoven überproportional viele Junge Menschen (fast ¼ der Gesamtbevölkerung) - ebenfalls sind beide Stadtteile geprägt von massiven sozialen Konfliktlagen.

In Finkenberg sind 55,2% der unter 15-jährigen Leistungsberechtigte in der Grundsicherung nach SGB II, in Gremberghoven beträgt der Anteil 38,3% (für Köln insgesamt beträgt die Quote 22,2%). Der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund unter 18 Jahren beträgt in Finkenberg 91,5%, in Gremberghoven 82,4% (für Köln insgesamt 50%).
 
Vor dem Hintergrund der besonderen sozialen Situation in Finkenberg und Gremberghoven war es das Ziel aller im Sozialraum organisierten Träger der Jugendarbeit ein gemeinsames Sommercamp zu organisieren, dass Kindern und Jugendlichen ermöglicht, konstruktiv Ferien und Freizeit miteinander zu gestalten und über kulturelle Unterschiede hinweg gemeinsam positive soziale Erfahrungen miteinander zu sammeln.
 
Aufgrund der sozialen Situation der Familien wurde nur ein geringer Kostenbeitrag erhoben (2,- Euro pro Tag und Kind), der in besonderen Fällen (z.B. mehrer Kinder einer Familie nehmen teil oder Familien erhalten nur einen reduzierten Sozialhilfesatz) gemindert oder erlassen werden konnte.
 
Finanziell gefördert wurde das Projekt von bezirksorientierten Mitteln der Bezirksvertretung und des Bürgeramtes Porz, Ferienaktionsgeldern der Bezirksjugendpflege Porz und Mittel zur Unterstützung bei der Integration von Kindern und Jugendlichen aus neuen Einwandererfamilien aus Süd-Osteuropa, Fördergeldern vom Erzbistum Köln für die Integration von Flüchtlingen sowie privaten Spenden.
 
Nachfolgende Institutionen waren an der technischen und pädagogischen Vorbereitung und Durchführung des Sommercamps beteiligt:
 
- Katholische Kirchengemeinde Porz
- Evangelische Kirchengemeinde Porz
- Bürgeramt Porz
- Bezirksjugendpflege Porz
- Rheinflanke e. V.
- OT Arche Nova
- Kellerchen Kunterbunt (Verein zur Betreuung von Kinder der GGS Breitenbachstr. in Gremberghoven)
- Sozialraumkoordination
 
Außerdem haben folgende Personen und Vereine ehrenamtlich zur Realisierung beigetragen:

 

Auf- und Abbau:
- Deutsche Rote Kreuz
- Billardverein Finkenberg
- Katholische Kirchengemeinde Gemeinde
- Eheleute Röser
 
Mittagessen:
- Eheleute Röser und Bekannte
- Ehrenamtliche MitarbeiterInnen der „Helfenden Hände“
 

In das Sommercamp sollten auch die Kinder und Jugendlichen aus dem in Gremberghoven ansässigen Flüchtlingswohnheim mit den dort lebenden Roma-Familien integriert werden. Ebenfalls besuchten erstmalig etwa 10-20 Kinder aus der neuen Notunterkunft des DRK in Eil das Sommercamp.
Ein Schwerpunkt des Camps war die Arbeit zur Inklusion von Kinder und Jugendlichen aus den neuen Zuwandererfamilien, die vor allem verstärkt seit Beginn des Jahres 2014 aus Süd-Ost Europa nach Köln (Finkenberg) gekommen sind.
Insbesondere deshalb wurde das pädagogische Team mit mehrsprachigem Kompetenzen und multikulturellem Hintergrund eingesetzt.
 
Bereits zu Beginn des Jahres wurde eine Organisationsgruppe gebildet und ein Verantwortlicher für die Gesamtkoordination bestimmt. Die Organisationsgruppe traf sich in ca. 4-wöchigen Abständen, um die vielfältigen organisatorischen Aufgaben zu besprechen, Verantwortlichkeiten und Zeitrahmen festzulegen und die Erledigung zu überwachen.

Die Erfahrungen aus den letzten Jahren hat gezeigt, dass neben der Organisationsgruppe ein trägerübergreifendes pädagogisches Team zu bilden ist, dass in enger Abstimmung und Zusammenarbeit das pädagogische Konzept (weiter-) entwickelt und die konkreten Aktivitäten plant.
 
Es bestand Einigkeit darüber, dass innerhalb Sommercamp das pädagogisch qualifizierte Personal zum Einsatz kommen soll, das den Kindern und Jugendlichen auch aus der täglichen Arbeit in den Kinder- und Jugendeinrichtungen bekannt ist.
Leiterinnen und Leiter der unterschiedlichsten Workshops wurden sorgfältig ausgewählt und verfügten über entsprechende Erfahrung in der Leitung von Gruppen. Im Vorhinein fanden verschiedene Treffen zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern statt, in denen Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Handelns besprochen und Hilfemöglichkeiten bei akuten Konfliktsituationen aufgezeigt wurden.
Ebenfalls trafen sich auch alle ehrenamtlich Tätigen des Sommercamps in einer sog. Mitarbeiter-Teamschulung, einerseits um sich besser Kennenzulernen und andererseits um sich auf die Inhalte und Aufgaben innerhalb der Woche vorbereiten zu können. 

2. Verlauf
 
Bereits am frühen Sonntagnachmittag erfolgte der Aufbau der Zelte, verschiedenen Pavillons mit Sitzgelegenheiten und Tischen und eines Fußballcourts anhand eines vorher miteinander abgesprochenen Stellplanes. Um ein offenes und kommunikatives Miteinander zu gewährleisten, wurde eine kreisförmige Anordnung gewählt. In der in unmittelbarer Nähe gelegenen Finkenbergschule standen die Toilettenanlage und Räumlichkeiten zur nächtlichen Lagerung der verschiedenen Materialien zur Verfügung. Zusätzlich zu den Angeboten auf dem Platz konnte die Sporthalle der Finkenbergschule auch in dieses Jahr wieder genutzt werden. Hier wurde der Breakdanceworkshop durchgeführt. Die Wasser- und Stromnutzung erfolgte nach Abstimmung mit dem Leiter des Bürgeramtes Porz aus dem Gebäude der Finkenbergschule heraus. Für den Nachtdienst während der Woche konnten zwei Personen des Fußballverein Ataspor als Wachdienst gewonnen werden. Gleichzeitig war die Polizei informiert, die während der gesamten Woche das Gelände durch einen verstärkten Streifendienst sicherte. Die AWB sorgte für die Abholung des entstandenen Mülls und sorgte für Sauberkeit auf dem Parkplatz.
 
Morgens war das Gelände jeweils ab 08:30 Uhr durch das betreuende Team besetzt. Nachdem die Materialien auf die einzelnen Zelte und Stellplätze der Workshops verteilt wurde, erfolgte die Anmeldung der Kinder und Jugendlichen mit Namen, Adressen und Hinterlegung von Telefonnummern, die im Notfall zu verständigen sind. Die Kinder wählten die Workshops, an denen sie am Vormittag teilnehmen wollten. Von Seiten der Verantwortlichen wurden Listen geführt, so dass zu jedem Zeitpunkt nachvollzogen werden konnte, an welchem Platz sich ein Kind befand.
 
Am ersten Tag wurden zu Beginn die Platzregeln bekannt gemacht (u.a. Gewaltverzicht, Sauberkeit etc.) und auch die Konsequenzen erläutert, die Verstöße nach sich ziehen. Um die Regeln und Workshops für alles Kinder besser erklären zu können, wurden verschiedene Piktogramme angefertigt.
Das Tagesprogramm startete mit einem kleinen gemeinsamen Spiel, an dem sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Betreuer teilnahmen. Anschließend teilten sich die Kinder in die einzelnen Workshops auf.

 

Folgende Workshops wurden angeboten:

- Breakdance für Jungs
- Breakdance für Mädchen
- Sprachworkshop
- Fußball
- Kreativworkshops
- Zirkusworkshop
- Basteln und Werken
- Henna-Tattoo
- Percussionsworkshop
- Tischtennis  
- Offene Spiele
- Pausenspiele (Hüpfburg)
 
Die Breakdancegruppen arbeiteten während der ganzen Woche in geschlossenen Gruppen. Die anderen Workshops konnten jeweils jeden Vor- und Nachmittag neu belegt werden. Für den Workshop „Offene Spiele“ stand eine große Auswahl von verschiedenen Spielen und pädagogischen Materialien zur Verfügung. Die Workshops wurden von entsprechenden Fachkräften durchgeführt, die über entsprechende Trainingsscheine verfügten.

Ab Mittwochmittag baute der Spielecircus sein Zelt auf und bereicherte das Programm mit weiteren Workshops:
 
- Akrobatik und Pyramiden
- Jonglieren und Tellerdrehen
- Clownschule
- Feuer und Fakirartistik

Ziel war die Präsentation eines Circusprogramms ab Freitagmittag, dass allen Kindern, Freunden, Verwandten und Eltern präsentiert werden sollte.
 
Hierin sollten auch die Ergebnisse der Breakdancer und des Percussionsworkshop integriert werden. Zu der Abschlusspräsentation war auch die örtliche Presse eingeladen.
 
Für eskalierende Konfliktsituationen in den Workshops und auch zur besonderen Betreuung der Kinder aus neuen Zuwandererfamilien stand ein Team von professionellen Mitarbeitern zur Übermittler und Übersetzer bereit.

Jeweils mittags konnte das Essen geholt und anschließend an die Kinder und Jugendlichen verteilt werden. Das Essen wurde jeden Tag frisch in den Räumen der evangelischen Kirche von verschiedenen Ehrenamtlern zubereitet. Das Abschlussgrillen am Freitag übernahm dann der Billardverein. Im weiteren Verlauf des Tages standen den Kindern und Jugendlichen darüber hinaus Obst, Rohkost und Mineralwasser in ausreichendem Umfang zur Verfügung.
 
Jeder Tag endete für die Kinder und Jugendlichen damit, dass der Platz aufgeräumt und mit einer Abschlussaktivität, z.B. Pustefix, Schaumkuss-Wurfmaschine oder Wasserrutsche der Tag beendet wurde.

Nachdem die Kinder nach Hause gegangen waren, reflektierte das betreuende Team den Tag und traf Absprachen für den folgenden Tag.
 
Die abschließende Zirkusvorstellung am Freitagmittag fand unter großem Beifall aller Beteiligten statt. Es war auffällig, wie viele Eltern, Verwandte und Freunde zugegen waren und mit ihrem Beifall den Kindern und Jugendlichen die gebührende Anerkennung bereiteten.
Auch während der Woche besuchten Kindergärten und Offene Ganztagsschule das Sommercamp und informierten sich über das Angebot.
 
Auch in diesem Jahr war dann das anschließende Jugendprogramm. Hier konnten die Jugendlichen an drei Nachmittagen in der Zeit von 17:00 bis 20:00 Uhr an folgenden Aktivitäten teilnehmen:
 
- Gemeinsames Grillen und Chillen
- Fußballturnier
- „Open Mic“ Offenes Hip-Hop-Angebot
- Schießen mit den Gremberghovener Schützen
 
Durchgeführt wurden diese Spätveranstaltungen dann auch von professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Arche Nova, den Streetworker und der Rheinflanke.
 
3. Abschließende Bewertung
 

An dem Sommercamp nahmen insgesamt 246 Kinder und Jugendliche teil, an den einzelnen Tagen waren durchschnittlich ca. 130-180 Kinder und Jugendliche auf dem Platz anwesend.
Es stieg ebenfalls erfreulicherweise die Anzahl der Ehrenamtlich arbeitenden Menschen auf insgesamt ca. 70.

Das Sommercamp kann als voller Erfolg bewertet werden, den es konnten dieses Jahr nicht nur mehr Kinder und Jugendliche zur Teilnahme motiviert werden, sondern auch einen Verein aus dem Sozialraum als festen und hoffentlich langfristigen Parter.
Die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen beim Abschluss und die vielfältigen positiven Rückmeldungen der Eltern und Verwandten geben hierüber ein eindrucksvolles Zeugnis. In sozial benachteiligten Stadtteilen konnten Kinder und Jugendliche eine positive Erfahrung im sozialen Miteinander und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt werden, das auch über das Sommercamp hinaus nachhaltig in den Sozialraum wirken wird. Die Inklusion der neuen Zuwanderer- und Flüchtlingskinder verlief sehr positiv und unkompliziert.
 
Herauszuheben ist die friedliche und entspannte Atmosphäre während der ganzen Woche. In keinem Fall mussten Platzverweise ausgesprochen werden. Kleine Streitigkeiten konnten durch das Kriseninterventionsteam schnell im Kern beseitigt werden und bildeten positive Beispiele einer konstruktiven Konfliktbewältigung für die Kinder und Jugendlichen. Auch Ausgrenzungen, z. B. durch diskriminierende Äußerungen Kindern des Flüchtlingswohnheims gegenüber, konnten konstruktiv im Sinne eines gemeinsamen Lernens aufgegriffen werden.
 
Die friedliche und harmonische Stimmung unter den Kindern und Jugendlichen ist in direktem Zusammenhang zu sehen zu der konstruktiv-unterstützenden Haltung und dem offenen und konkurrenzfreien Umgang des betreuenden Teams untereinander.
Auch den betreuenden Pädagogen, Betreuern und Ehrenamtlern war die Freude anzumerken, gemeinsam über den eigenen jeweiligen institutionellen Rahmen hinaus miteinander zu kooperieren. Die lange und sorgfältige Vorbereitung des Sommercamps war aufgrund der teilweise unterschiedlichen Arbeitsweisen und Rahmenbedingungen in den einzelnen Institutionen notwendig und hat sich bewährt.
 
In der Nachbetrachtung wurden bereits Überlegungen laut, auch im kommenden Jahr ein Sommercamp durchzuführen und, einige weiterführende Ideen umzusetzen (wie z.B. die Weiterentwicklung der Essenssituation und eine Erweiterung der bedarfsgerechten Workshops). Auch die Ausweitung der Möglichkeit ehrenamtlich tätig zu werden, steht im Fokus der Planungen für das nächste Jahr.
 
Köln, 31. August. 2015
 
Marco Morschel

 

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